15 Oktober 2013

Offshore-Branche

Es geht mal wieder um unseren Wirtschaftsraum und ich habe lange überlegt ob dieser Post eher in meinen Politblog gehört, doch weil es mich mehr oder weniger betrifft und zu der Stadt gehört, in der ich lebe, schreibe ich hier darüber. Es zeigt ein kleines bisschen wie mit den erneuerbaren Energien und den Menschen, die damit zu tun haben, umgegangen wird. Am besten Ihr macht Euch ein eigenes Bild davon.

Die Cuxhaven Steel Construction GmbH (CSC) - ein Tochterunternehmen der BARD-Gruppe, ist das erste Unternehmen der Offshore-Branche, welches sich in Cuxhaven angesiedelt hat und Gründungsstrukturen und Komponenten für Offshore-Windkraftanlagen gefertigt hat.

Die BARD-Gruppe steht seit 2003 für die Erschließung neuer Energieressourcen auf hoher See. BARD ist Vorreiter bei der Entwicklung und Umsetzung zukunftsweisender Offshore-Windenergienutzung.

Radio Bremen teilt am 11. Februar 2013, 17:18 Uhr mit:

Bard-Tochter "CSC"  (Cuxhaven Steel Construction) stellt Betrieb Ende April ein
Der Hersteller von Stahlkonstruktionen für Offshore-Windparks, Cuxhaven Steel Construction (CSC), schließt seine Produktion. Am 30. April werde der Betrieb eingestellt, teilte der Eigentümer, das Emder Windkraftunternehmen "Bard", mit. 25 der 120 betroffenen Beschäftigten sollen in andere Gesellschaften des Unternehmens wechseln können.
Die Suche nach einem neuen Investor für das Werk in Cuxhaven sei gescheitert. "Die alternativlose Entscheidung zur Aufgabe des Geschäftsbetriebs ist letztlich auch ein Abbild der gegenwärtigen Situation in der Offshore-Windindustrie, in der es seit geraumer Zeit, auch aufgrund der unsicheren politischen Rahmenbedingungen, an Neuaufträgen mangelt", teilte Bard zur Begründung der Werksaufgabe mit. Bereits im August 2012 war wegen des absehbaren Auftragsmangels ein Sozialplan bei CSC beschlossen worden. In Cuxhaven werden riesige, bis zu 500 Tonnen schwere, stählerne Unterwasserverankerungen für die Türme der Windenergieanlagen gebaut, die im Meer Strom erzeugen sollen. Bard beschäftigt insgesamt rund 1.000 Mitarbeiter.
Kaum Hoffnung auf neue Jobs in der Branche

Nur noch wenige Windradfundamente stehen auf dem Werksgelände von CSC in Cuxhaven. Es sind die letzten, die noch ausgeliefert werden. Dann ist Schluss. Dementsprechend wütend und enttäuscht sind die Arbeiter. Viele von ihnen waren von Anfang an dabei, hatten viel Hoffnung in den Ausbau der Hochseewindkraft gesetzt. Jetzt die Ernüchterung und Vorwürfe auch nach Berlin. Denn auch in Bremerhaven oder an anderen Standorten der Hochseewindkraftbranche sieht es momentan nicht gut aus mit Aufträgen. Viel Hoffnung, dass sie anderswo unterkommen haben die CSC-Beschäftigten nicht. Und trotzdem will der Betriebsrat sich jetzt dafür einsetzen, möglichst viele Kollegen weiterzuvermitteln. IG-Metall-Bezirkschef Karsten Behrenwald kritisiert, dass die letzten Monate nicht genutzt wurden, um eine Transfergesellschaft einzurichten und damit die Fachkräfte zu halten. Für die Zukunft und für Firmen, die sich für den Standort Cuxhaven interessieren.
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Die Nordseezeitung online berichtet am  30.04.13 - 06:00 Uhr folgendes:

Cuxhaven. Das Blau leuchtet hoffnungsvoll in der Sonne. Doch drinnen, in der gigantischen Halle der Bard-Tochter Cuxhaven Steel Construction (CSC), sieht es düster aus: Das letzte der 80 knallgelben Offshore-Fundamente, die hier gefertigt wurden, hat vor Wochen die Halle verlassen, heute gehen im CSC-Werk endgültig die Lichter aus. Der Windkraft-Pionier Bard muss die Segel streichen: Keine Arbeit mehr. Von Inga Hansen

Bei Bard selber ist niemand zu erreichen. Auch Thomas Strunck mag eigentlich nichts mehr dazu sagen. „Egal, was jetzt mit der Energiewende passiert, für uns kommt alles zu spät. Und die Jungs haben verdient, dass endlich Ruhe ist“, sagt der CSC-Betriebsratsvorsitzende. Die Jungs, das sind 125 Stahlbauer, Schweißer und Büroangestellten, die zuletzt noch bei CSC beschäftigt waren. 25 von ihnen sind zur Mutterfirma gewechselt. Denn die Bard-Gruppe, die unter Treuhandverwaltung steht, arbeitet mit Hochdruck daran, den eigenen Windpark vor Borkum fertigzustellen. Fünf der gelben Dreibein-Fundamente stehen noch in Cuxhaven, sie sollen bis Ende Juni verschifft werden.
Für Cuxhaven ist die CSC-Pleite ein schwerer Schlag. Die blaue Halle, 2008 erbaut, galt als Symbol für den Aufbruch der Hafenstadt ins Offshore-Zeitalter, nun droht sie zum Zeichen des Niedergangs zu werden. Das Werk des Bard-Gründers Arngolt Bekker, der mit der ambitionierten Idee gestartet war, Windparks komplett aus einer Hand zu liefern, von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe, ist dicht. Nebenan, wo der Baukonzern Strabag eigentlich mit der Fertigung von Betonfundamenten in die Offshore-Branche einsteigen wollte, liegt alles weiter brach. Strabag hat seine Pläne, für die Stadt und Land für 65 Millionen Euro eigens Industrieflächen mitsamt einer Spezialkaje hergerichtet haben, auf unbestimmte Zeit vertagt.

Geblieben ist den Cuxhavenern nur Ambau. Das Familienunternehmen aus Brandenburg, das seit vier Jahren an der Elbe kirchturmhohe Stahltürme für die Wind-Riesen auf See produziert, hat zum Glück gut zu tun. Ambau fertigt gerade Stahltürme für die Offshore-Parks Meerwind Süd und Ost, die die Bremerhavener Wind MW vor Helgoland baut. Bis zum Ende des Jahres sei das Werk in Cuxhaven ausgelastet, versichert Ambau-Sprecher Kai Simon. Doch was danach kommt, ist offen. Von der zweiten Halle, die Ambau bauen wollte, weil die Firma zeitweise mehr Aufträge hatte, als sie erledigen konnte, ist nicht mehr die Rede.

Die Krise, in der die Windkraft-Branche steckt, ist in Cuxhaven sichtbar. Schuld sei die unsägliche Energiepolitik der Bundesregierung, klagt Oberbürgermeister Dr. Ulrich Getsch. „In Berlin gibt es nur den Fahrplan, wie man aus der Atomkraft aussteigt, aber nicht wie man in die neuen Energien einsteigt“, kritisiert der parteilose Verwaltungschef. Der Bau der Windparks auf See ist ins Stocken geraten, weil es knirscht im Offshore-Getriebe. Investoren wie Banken halten sich zurück. Weil sie zu wenig Sicherheit haben, wann ihre Parks ans Stromnetz angeschlossen werden. Weil unklar ist, wie schnell die Strom-Autobahnen Richtung Süden gebaut werden. Und weil man in Berlin beim Thema Energiewende inzwischen zuerst an kletternde Strompreise denkt und die Vergütung für Windstrom von See kappen will. Dann, warnt die Branche, stecke keiner mehr 1,5 Milliarden in einen Offshore-Park.

„Ich bin stinksauer auf die Bundesregierung“, bekennt auch CSC-Betriebsrat Thomas Strunck. Der 44-Jährige ist tief frustriert. Als der Stahlbauer bei CSC anfing, dachte er noch, „da gehe ich in Rente“. Heute glaubt er nicht mehr recht an Offshore: „Wer investiert denn in ein totes Pferd?“

Das sieht sein Oberbürgermeister allerdings ganz anders. „Um unseren Offshore-Standort hier mache ich mir überhaupt keine Sorgen“, versichert Getsch. Die Gespräche über neue Ansiedlungen nähmen gerade wieder an Fahrt auf, verrät er. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Netzbetreiber Tennet nun die Engpässe beim Netzanschluss in der Nordsee beseitigen will. Der Oberbürgermeister ist sich sicher: „Offshore, das wird laufen.“

Quelle: http://www.nordsee-zeitung.de/region/cuxland/Hagen_artikel,-Bei-CSC-ist-heute-Schicht-_arid,908615.html
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NWZ Online 01.10.2013
Regionale Wirtschaft
Emder Nordseewerke gehen in Kurzarbeit

Emden
Nach Insolvenz und Verkauf des Offshore-Zulieferers Nordseewerke ist bei der ehemaligen Emder Großwerft Kurzarbeit beantragt. Voraussichtlich seien bis zu 100 der insgesamt 240 Mitarbeiter in wechselnder Besetzung davon betroffen, sagte am Montag ein Unternehmenssprecher. Grund sei der soeben abgeschlossene Bau von Windkraft-Fundamenten.

Der nächste Auftrag einer Unterkonstruktion für eine große Umspannplattform werde erst im November oder Dezember beginnen. Das Volumen werde jedoch nicht für eine Vollbeschäftigung in diesem Jahr reichen. Nach Angaben des Betriebsrats ist die Kurzarbeit für ein Jahr geplant.

Quelle: http://www.nwzonline.de/wirtschaft/weser-ems/emder-nordseewerke-gehen-in-kurzarbeit_a_9,3,3365230373.html

Als ich im Mai hierher zog sah ich nur noch ein paar wenige Windradfundamente im Hafen. Leider hatte ich keine Gelegenheit mehr davon Fotos zu machen, deshalb hier Bilder die ich von der Offshore-Basis aus der Bildergalerie habe.

Bildquelle:
http://www.offshore-basis.de/aktuell/bildergalerie/
Wie Radio Bremen schon mitteilte, besteht kaum Hoffnung auf neue Jobs in der Branche und ich frage mich wie es mit den Windparks weiter gehen wird immerhin betrifft die erneuerbaren Energien die gesamte Republik.
Irgendwann, wenn unsere Regierung wach geworden ist, wird es weiter gehen. Bis dahin warten wir ab und müssen die stetig wachsenden Energiepreise hinnehmen.

Jetzt werde ich erst mal die noch schönen Herbsttage genießen. Wir hatten gestern strahlenden Sonnenschein bei milden herbstlichen Temperaturen. Am Abend wurde es allerdings schon ziemlich kühl.

Vielleicht bekommen wir ja noch ein paar schöne goldene Oktobertage.
Bleibt gesund.
Es grüßt Euch



11 Kommentare :

  1. Die Energiepreise sind auch sehr hausgemacht und es stellt sich die Frage, warum der kleine Endverbraucher die EEG-Umlage fast alleine tragen muss.

    Es muss einfach weiter vorangetrieben werden mit den erneuerbaren Energien, dazu gehören die Offshore-Anlagen auch.

    Liebe Grüße schickt dir
    Christa

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    1. Die EU hat sich bereits eingeschaltet. Wegen den Bundestagswahlen hat sich das alles allerdings verschoben. Wenn es nach dem Willen der EU geht, sollen die EEG Umlagen in ihrer bisherigen Form abgeschafft werden. Möglicherweise müssen sogar befreite Unternehmen die bisher gesparten Kosten nachzahlen.

      Ich vermute aber wenn es überhaupt so weit kommt was ich bezweifel, dass es noch Jahre dauern wird.

      VG Nachtfalke

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  2. Ja mein Lieber, solange diese Energiepolitik weiter betrieben wird, werden viele Unternehmen, die sich auf erneuerbare Energien eingelassen haben, die Tore schliessen. Leider.
    Das werden alle Bemühungen zu nichte gemacht, weil immer noch der Braunkohle den Vorrang bekommt.
    So werden auch die Strompreise künstlich hoch gehalten.

    Lieben Gruß in den Norden
    Angelika

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  3. Hallo Nachtfalke,
    hört sich in der Tat schlimm an. Ich habe ja an anderer Stelle berichtet (z.B. Pumpspeicherkraftwerk Rursee), dass das Konzept effektiv unausgereift ist. Komponenten werden nicht geliefert, Bürgerbewegungen machen das ganze Konzept platt, nichts greift ineinander. Isoliert gibt es Aktivitäten, aber niemand hat die Sichtweise, dass das Stromnetz ein Netz ist, welches bundesweit funktionieren muss.

    Gruß Dieter

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  4. Liebr nachtfalke,
    es ist schlimm. Unsere Technik ist gut, wird überall anerkannt,
    nur wir vergeben leichtfertig wieder alles. Und wem darf man das
    ankreiden? Doch wohl den großen Energiekonzernen.
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

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    1. Ja die Energiekonzerne verdienen sich dumm und dusselig, aber auch die Regierung trägt ihren Teil dazu bei dass die Konzerne das überhaupt erst machen können.

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  5. Lieber Nachtfalke, das ist sehr interessant. Man erfährt von Dir immer wieder neues und viel interessantes. Danke!
    Liebe Grüße und noch schönen Abend
    Anne

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  6. danke für den interessanten post.

    Ich wünsche euch schöne Oktobertage. Bei uns in Franken hat es aufgehört zu Regnen ... und die Temperaturen gehen wieder etwas rauf :-)

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  7. Wenn die Große Koalition Realität wird und dann an der Stelle weitermacht an der die bisherige wespenfarbene Bundesregierung aufgehört hat (und danach sieht es wohl aus), dann wird das, was Cuxhaven erlebt hat, wohl erst der Anfang sein. Die Windenergie Hersteller, die sich in Bremerhaven angesiedelt haben, bekommen das auch bereits zu spüren. ich werde am 30. November nach Berlin fahren, um dort mit hoffentlich vielen anderen Menschen für eine zügige Umsetzung der Energiewende sowie ein schnelleres Ende der Atomkraftwerke demonstrieren.

    Gruß aus Bremerhaven in die Stadt der Alten Liebe,
    juwi

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    1. Da kann ich Dir leider nur beipflichten. Habe eben in den Nachrichten gehört das wieder ein Hersteller für Windenergieanlegen pleite gemacht hat.

      Gruß nach Bremerhaven
      Nachtfalke

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